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Die Abwrackprämie ist tot, es lebe die Krise...

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Alt 03.09.2009, 07:15   #1
EffizienzGuru
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Benutzerbild von Chibu
 
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Beiträge: 6.239
Standard Die Abwrackprämie ist tot, es lebe die Krise...

Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben. Die Angst ist wieder da und der Sensenmann holt heftiger aus denn je...

Zitat:
Zitat von Spiegel Online / T-Online
Der Autoindustrie stehen Horrorjahre bevor

Dem Jubel folgt der Katzenjammer: Nach dem Stopp der Abwrackprämie rechnen Experten mit dramatischen Einbrüchen in der Autobranche. Unzählige Insolvenzen drohen, Tausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel - auf Jahre ist keine Erholung in Sicht.

Abwrack-Kritiker sehen sich bestätigt - Monatelang hat die Autoindustrie gefeiert, jetzt ist die Abwrackparty vorbei: Der Staat zahlt kein Geld mehr für die Verschrottung von Altautos. Der milliardenschwere Fördertopf ist seit diesem Mittwochmorgen leer. Und schon sehen sich die Kritiker bestätigt. "Die Bundesregierung hat der Autoindustrie mit der Abwrackprämie keinen Gefallen getan", wettert Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Denn nach dem künstlich geförderten Abwrackboom der vergangenen Monate würden die Hersteller und Händler die Förderung bald teuer bezahlen müssen. Bratzels Prognose: "2010 wird ein Horrorjahr für die Autobranche."

Marktforscher warnen vor Absturz - Mit dieser Meinung steht der Autoexperte nicht alleine da. Auch Marktforscher rechnen damit, dass der Branche ein brutaler Absturz droht. So sagen etwa die Unternehmensberatungen AlixPartners und Roland Berger voraus, dass die Zahl der Neuzulassungen spätestens im kommenden Jahr dramatisch einbrechen wird - und die Händler auf ihren Autos sitzen bleiben. Der Grund: Viele Käufer haben wegen der Prämie den Kauf ihres Wagens auf dieses Jahr vorgezogen. Hinzu kommen die steigende Arbeitslosigkeit und der zu erwartende Konsumeinbruch.

Andere Länder kopierten Abwrackprämie - Die Aussichten für Hersteller und Handel sind demnach tiefschwarz. Dabei hatte Anfang des Jahres alles so gut angefangen. In einem Schnellverfahren hatte die Bundesregierung Milliarden bereitgestellt, um der kriselnden Autoindustrie unter die Arme zu greifen. Millionen Verbraucher verfielen in einen regelrechten Kaufrausch und ließen ihre alten Pkw verschrotten - nur um an die 2500 Euro Staatsprämie für einen Neuwagen zu kommen. Die Branche jubelte. Und schon bald machte das deutsche Modell Schule. Mehr als ein Dutzend Staaten ahmten die Bundesrepublik nach - die USA mit den Cash for Clunkers etwa oder Frankreich mit der prime à la casse. Doch in einer Hinsicht blieb das Autoland Deutschland einmalig: Nirgendwo sonst wurde so viel in die Pkw-Industrie gepumpt wie mit fünf Milliarden Euro hier.

Deutschland trifft es härter als jedes andere Land - Umso wahrscheinlicher ist, dass der Fall der stark subventionierten deutschen Automobilindustrie dramatischer als sonst irgendwo ausfallen wird: Denn während in diesem Jahr nach Schätzungen des Branchenverbands VDA noch mehr als 3,5 Millionen Fahrzeuge verkauft werden dürften, werden es im kommenden Jahr Experte Bratzel zufolge rund eine Million weniger sein. Zum Vergleich: So wenig Autos wurden zuletzt in den siebziger Jahren verkauft - allein in Westdeutschland.

Händler wird es am schlimmsten treffen - Die Folgen für die Branche wären fatal. Vor allem die Hersteller, die in diesem Jahr überdurchschnittlich von der Prämie profitiert haben, werden den Einbruch zu spüren bekommen - allen voran Kleinwagenhersteller wie Volkswagen, Opel und Ford. Dagegen werden die Hersteller großer Wagen - etwa Daimler oder BMW - statistisch gesehen kaum einen Unterschied bemerken. Die schlimmsten Szenarien zeichnet Experte Bratzel jedoch für die Autohändler. "Während VW und die anderen Autobauer sich wieder verstärkt auf Märkte im Ausland konzentrieren können, haben die Händler nach dem Auslaufen der Prämie keine Ausweichmöglichkeit. Sie wird es am allerschlimmsten treffen."

90.000 Jobs stehen auf dem Spiel - Unumstritten ist, dass die Branche, die derzeit noch zu den größten Arbeitgebern des Landes gehört, bald mit einem radikalen Stellenabbau reagieren wird, um die Einbrüche bei den Umsätzen abzufedern. So dürften Bratzel zufolge in den kommenden drei Jahren bis zu zehn Prozent der derzeit rund 750.000 Jobs wegfallen. Die Berater von Roland Berger sind noch wesentlich pessimistischer: Ihnen zufolge könnten die Unternehmen rund 90.000 Arbeitsplätze streichen. Und selbst das wird viele Betriebe nicht retten können. Laut einer Studie von AlixPartners standen bereits im vergangenen Jahr infolge der Wirtschaftskrise 22 Prozent der europäischen Zulieferer kurz vor der Pleite, Ende dieses Jahres könnten es 30 bis 50 Prozent sein.

Autoindustrie leidet unter Überkapazitäten - Doch allein mit der Rezession lässt sich die Krise der Autoindustrie nicht erklären. Die Hersteller und Händler haben sich einen Großteil der Schuld für ihre miserablen Aussichten selbst zuzuschreiben, weil sie es in den vergangenen Jahren versäumt haben, Überkapazitäten abzubauen. So versuchen die Hersteller bis heute mit aller Macht ihre zu viel produzierten Fahrzeuge in den Markt zu drücken - was letztendlich nur mit Hilfe von hohen Rabatten oder eben der Abwrackprämie möglich ist.

Branche will nichts von Fehlern wissen - Die Branche selbst will trotzdem nach wie vor nichts von ihren Fehlern wissen. Ganz im Gegenteil. Am Mittwoch lobten Vertreter von Autoverbänden durchweg den Erfolg der Abwrackprämie. "Für die Kfz-Branche war diese Förderungsmaßnahme das beste, was man sich nur vorstellen konnte", schwärmte etwa der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Robert Rademacher. Und selbst die dramatischen Szenarien für das kommende Jahr scheint Rademacher nicht zu beachten. "Ich gehe davon aus, dass unsere Betriebe sich in vielen Fällen bereits eingerichtet haben auf ein schwächeres Jahr 2010. Auch da werden wir durchkommen", sagte er. Der Branchenverband VDA sprach sogar davon, dass sich die Lage in den kommenden Monaten "Schritt für Schritt weiter verbessern" dürfte.

Experte kann Optimismus nicht nachvollziehen - Dieser Optimismus ist für Experte Bratzel kaum nachvollziehbar. "Die Hersteller und Händler müssen endlich begreifen, dass sie sich umstellen müssen. Wir brauchen so etwas wie einen Kulturwandel." Momentan sei die Netzdichte zu hoch, das heißt, zu viele Händler befinden sich am Markt. Bratzel schlägt vor, durch Zusammenschlüsse und Übernahmen größere und leistungsfähigere Händler zu schaffen, die außerdem mit niedrigeren Kosten belastet wären.

Keine Erholung vor 2013 - Doch selbst wenn die Branche die Vorschläge direkt umsetzt, rechnen die Marktkenner nicht mit einer Erholung vor 2013. Dafür sind die Perspektiven zu schlecht. Zunächst - da sind sich alle sicher - ist die Party vorbei.
Chibu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2009, 08:30   #2
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Das war ja abzusehen bzw völlig klar, nun sind die Autohersteller gefragt, mit guten Prämien und Rabatten die 2.500€ für die Schrottkiste zu puffern bzw allgemein neue Kunden mit Angeboten die mindestens so gut sind wie sie die letzte Zeit waren anzulocken.
(Ich leide auch unter der Abwrackprämie, wollte meinen Gebrauchtwagen verkaufen aber die Gebrauchtwagenpreise sind ja dermaßen im Eimer das ich so gut wie nichts mehr bekommen würde, also noch nen bisschen weiter fahren.)
Therapy87 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2009, 11:06   #3
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Wie gesagt, die Krise hat gerade erst begonnen. Da werden einige Automobilhersteller und Zulieferer ins Gras beißen oder sich von Arabern kaufen lassen.
35712 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2009, 11:11   #4
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Kaufen lassen müssen...
Meiner Meinung nach hat die Prämie das sogar noch schlimmer gemacht,
der Markt ist ja gänzlich verzerrt und vermutlich wird man nächstes Jahr mit Jahreswagen erschlagen werden, denn einige Leute haben sich beim Kauf wohl verhoben und müssen das recht neue Auto nun abstoßen...
Wer kauft denn einen Neuwagen wenn es ein gleich ausgestattetes 8-9 Monate altes Auto mit wenigen KM für einige tausend Euro weniger gibt?
Therapy87 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2009, 11:52   #5
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Das war für mich von Anfang an eine logische schlußfolgerung. die Krise wurde dadurch nur etwas verschoben.
Don Vito ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2009, 13:52   #6
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Benutzerbild von Dhanek
 
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Dazu kommt noch, das wegen der vielen Neuwagen nun auch die Werkstätten Probleme kriegen, da es in nächster Zeit weniger Autos gibt die zu Wartungs- oder Reperaturzwecken kommen.
Dhanek ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.09.2009, 14:14   #7
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Benutzerbild von pvt.gwh
 
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Zitat:
Zitat von Dhanek Beitrag anzeigen
Dazu kommt noch, das wegen der vielen Neuwagen nun auch die Werkstätten Probleme kriegen, da es in nächster Zeit weniger Autos gibt die zu Wartungs- oder Reperaturzwecken kommen.
Wobei die Vertragswerkstätten gar nicht mehr bei den Inspektionen nachkommen werden. Weniger als 1% der Wagen jünger als 2 Jahre gehen in Freie Werkstätten

Herr Rademacher ist vielleicht in seiner Aussage ein wenig zu optimistisch, jedoch bin ich dahingehend zu keiner Kritik berechtigt. Er ist immerhin für den Erfolg des Unternehmens in dem ich meine Ausbildung mache verantwortlich und sitzt im Verwaltungsrat. Nicht dass ich ihm morgen über den Weg stolpere

Jedoch bin ich gespannt wie die Unternehmen auf die schlechten Verkaufszahlen reagieren werden. Ich denke mal nicht, dass es zu einer Rabbattschlacht kommt, mit deutlichen Preissenkungen wird aber zu rechnen sein.
pvt.gwh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.09.2009, 18:31   #8
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Zitat:
Zitat von pvt.gwh Beitrag anzeigen
Jedoch bin ich gespannt wie die Unternehmen auf die schlechten Verkaufszahlen reagieren werden...
Ich nicht mehr. Wäre ja das erste Mal seit Urzeiten, dass sie richtig reagieren würden.
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wodim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.09.2009, 21:17   #9
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@ pvt.gwh: Einige werden demnächst gar nicht mehr groß reagieren können. So wie Opel wird es bald noch mehr Herstellern gehen. Wir haben nicht nur das Problem der Kreditklemme und der Überschuldung. Zu allem Unglück sind die Märkte auch gesättigt. Schau dich mal um und stelle dir ernsthaft die Frage, ob unser Land wirklich mehr Autos und vor allem jedes Jahr eine Neuauflage bekannter Marken braucht.

Zitat:
Zitat von Don Vito
die Krise wurde dadurch nur etwas verschoben.
Ja. Das Bedauerliche ist nur, dass diese Palliativmedikation vom Steuerzahler bezahlt wird. Man stelle sich vor: Alle Bürger legen zusammen und schenken das Geld ihrem Arbeitgeber, damit er sie zumindest noch ein paar weitere Monate in Kurzarbeit - also zur Hälfte von ihrem eigenen Geld bezahlt - weiter am Tropf beschäftigen kann. Da das noch nicht genial genug ist, schadet es finanziell praktisch allen außer dem Großkonzern selbst. Ganz zu schweigen davon, dass manche Leute sich voller Euphorie mit einem Neuwagenkauf in die Schulden stürzen, weil die Prämie so verlockend ist.

Wie pervers ist diese Politk eigentlich? Und wie blöd ist der Steuerzahler, dass er sowas mit sich machen lässt? Ich bin sehr auf die Wahlen gespannt.
35712 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.09.2009, 21:38   #10
Greenhorn
 
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Zitat:
Wie pervers ist diese Politk eigentlich?
Noch viel perverser als die, mit der unser "Realsozialismus" pleite ging. Ich sehe immer wieder erschreckende Parallelen: Alles wird heute auf die "Altlast DDR" geschoben (oder zumindest versucht) - nur genau dieselben Zicken veranstaltet wie damals, nur in größerem Maßstab.

Zitat:
Zitat von 35712 Beitrag anzeigen
Und wie blöd ist der Steuerzahler, dass er sowas mit sich machen lässt?
Das frage ich mich auch des öfteren. Aber sorry:

Zitat:
Ich bin sehr auf die Wahlen gespannt.
Du bist doch auch nicht besser, wenn du noch glaubst, dass man mit Wahlen was ändern könnte - in einem System, in dem doch seit 60 Jahren "demokratisch gewählt" wird, ohne dass sich der Kurs entscheidend ändert - egal, wer gerade am Ruder ist
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wodim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.09.2009, 18:12   #11
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Na ja, aber was sich momentan verändert ist schon interesant. Überleg mal genau, was eigentlich passiert. Die großen Parteien verlieren und die kleinen gewinnen. In weiteren 4 Jahren kann das einen heiteren Mischmasch geben, der dann wirklich was ändert. Die Bürger sind längst nicht mehr so einfältig wie noch vor 12 Jahren und das wirkt sich auch auf das Wahlergebnis aus.

Ob das natürlich im Großen und Ganzen was ändert, ist schwer zu sagen. In den USA hat sich ja vom System her auch nicht allzu viel geändert. Wobei es keine 180° Wenden geben kann, zumindest glaube ich da nicht dran. Sukzessive wird das geschehen, über viele Jahrzehnte - gerade auch weil Bildung eine Schlüsselkomponente ist und die braucht ihre Zeit um zu greifen.


Ich bin übrigens gespannt, wie lange die Staatskassen den Belastungen der Kurzarbeit noch standhalten. Das wird nämlich um Längen schmerzhafter ausfallen, wenn die Kurzarbeit nicht mehr subventioniert werden kann. Kommt bestimmt in der ein oder anderen Form noch auf uns zu.
35712 ist offline   Mit Zitat antworten
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