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Konjunkturpakete in Deutschland - sinnvoll oder Schwachsinn?

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Alt 15.01.2009, 11:49   #1
EffizienzGuru
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Standard Konjunkturpakete in Deutschland - sinnvoll oder Schwachsinn?

In diesen Tagen soll ja das zweite, ca. 50 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket auf den Weg gebracht werden. Sarkozy freut sich wahrscheinlich einen Ast ab, aber ich frage mich ernsthaft: Was soll der Unsinn?

Wenn man viele Dinge etwas vereinfacht, zeichnet sich doch von Deutschland momentan folgendes Bild:

Im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn ist unsere Wirtschaft in meinen Augen momentan relativ solide aufgestellt - bis auf eine große Ausnahme: Die Automobilindustrie. Dieser geht es richtig schlecht. Der Grund dafür: In vielen Teilen des Auslands (besonders hervorzuheben die USA) wurden Investitionen wie Autos fast immer traditionell auf Pump finanziert. Nun gibts aber kein Geld mehr auf Pump und dort kann und will somit keiner mehr Autos kaufen.

In Deutschland hängen aber unendlich viele Betriebe an der Automobilindustrie. Chemiewerke (Lacke, Kunststoffe), die metallverarbeitende Industrie, etc., etc... Kleines persönliches Beispiel: In der Firmengruppe, wo ich momentan neben dem Studium schaffe, gibt es eine Sparte, die sich auf die Produktion von Bürsten und Maschinen, die Bürsten herstellen spezialisiert haben. Keine Bürsten für Hunde und Menschen, sondern technische Bürsten, zb. für Schornsteinfeger, aber eben zb. auch für Walzstraßen in Stahlwerken und andere Betriebe, die Bleche herstellen. (Im Produktionsvorgang müssen Bleche häufig abgebürstet werden.) Nun werden Automobile weniger nachgefragt, dadurch werden viel weniger Bleche gebraucht und somit nutzen sich viel weniger Bürsten ab. Folge: Umsatzeinbruch.

Lange Rede, kurzer Sinn: Auch wenn in Deutschland eigentlich alles in Ordnung war, sind nun auf Grund eines Absatzproblems im Ausland deutsche Arbeitsplätze in Gefahr. Dadurch werden natürlich auch in Deutschland viel weniger Autos gekauft. Zwar kaufte man hier traditionell eher weniger auf Pump, aber wenn man sich nicht sicher ist, ob man nächsten Monat noch voll oder überhaupt arbeiten kann, gibt man lieber erstmal keine 20.000€ aus. Das verstärkt natürlich das Problem der Automobilindustrie weiter, auch wenn ich denke, das die Auslandsnachfrage das viel größere Problem ist. Und auch andere Investitionen überlegen sich viele gerade zweimal. Das also dazu, wie es aussieht.

Nun hat sich die Bundesregierung in den Kopf gesetzt zu handeln. Ist ja auch schön und gut, aber wie man handelt ist mir unverständlich. Momentan erinnert mich das daran, als ob auf einem Kornfeld ein Atomreaktor durchbrennt und man versucht, den Brand mit einer riesigen Gießkanne zu löschen. Erstmal überall Geld hin pumpen, wird schon helfen. Ach ja, und es ist ja auch noch Superwahljahr - da dürfen Steuergeschenke nicht fehlen.

Leuchtet mir ein. Ich weiß zwar nicht, wie lange mein Job noch sicher ist, aber hey, ich zahl' jetzt 30€ weniger Steuern im Monat. Super, her mit dem neuen VW!

Ja, es gibt sinnvolle Ansätze. Zb. Verschrottungsprämie für Altwagen und Steuerbefreiung für Neufahrzeuge. Damit will man die Inlandsnachfrage nach Automobilen stimulieren. Aber damit bekämpft man auch nur ein Symptom, nicht die Ursache. Denn der deutsche Markt wird natürlich nicht reichen, um die globalen Absatzausfälle aufzufangen. Und wir können leider rein gar nichts tun, damit in den USA wieder mehr Autos gekauft werden.

BTW: Investitionen in Infrastruktur und Bildung sind immer sinnvoll, egal ob Krise oder nicht. Aber sehr viel Geld wird in meinen Augen gerade schlicht und einfach verbrannt, weil es rein gar nichts bringen wird.

Ich bin überzeugt, dass es sogar billiger wäre, wenn man 2-3 Millionen Arbeitslose über 2 Jahre mehr versorgen müsste, bis die Krise ausgestanden ist. Einfache Rechnung: Mit 50 Millarden könnte man 3 Millionen Menschen 24 Monate lang jeden Monat ca. 695€ überweisen. Einfach so. Und das ist ja nur das Volumen eines Konjunkturpaketes. 3 Millionen mehr Arbeitslose sind auch schon viel zu hoch gegriffen, ich wollte es nur mal für den "worst case" durchrechnen.

Mit sowas gewinnt man natürlich keine Wahlen, also denkt man daran wahrscheinlich nicht mal in Politikerköpfen. Wie auch immer: Meiner Meinung nach sind die Konjunkturpakete größtenteils Unsinn. Deutschland war haushaltsmäßig auf einem guten Weg, das wird nun einfach über Bord geworfen. Man hätte besser tun sollen, was man kann und sinnvoll ist (Inlandsabsatz bei Automobilen fördern, in Infrastruktur und Bildung investieren) und sonst einfach gar nichts gemacht, weil man es eh nicht in der Hand hat. Die Scherben wird man in diesem Jahr so oder so wegfegen müssen, so wäre es wenigstens billiger gekommen.

Mein Bild von Politikern und Parteien wird momentan immer schlechter: Zu 70% ist das Handeln nur auf die Rettung des eigenen A*** (sprich: die nächste Wahl) ausgerichtet. Nochmal 10% gehen für Lobbyismus drauf, die restlichen 20% sind dann hoffentlich noch Dienst am Volk. Armes Deutschland.

Was meint ihr?

Geändert von BigKahuna (15.01.2009 um 11:52 Uhr)
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Alt 15.01.2009, 12:29   #2
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Ich bin ja auch in der Automobilbranche tätig, daher möchte ich meinen Teil zu der Diskussion beitragen. Zwar "schraube" ich nur bei einem Volkswagen Zentrum, Auswirkungen auf mich wird es aber trotzdem haben. Kurz gesagt, verkaufen sich neue Autos schlecht, hat das positive Auswirkungen für die Werkstatt. Wenn aber viele neue Autos gekauft werden, hinkt die Werkstatt. Mich freut zwar nicht, dass weniger Autos verkauft werden, aber an meinem Arbeitsplatz ändert sich dadurch nichts. Die Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie sind aber stark gefährdet. Gerade der Mittelstand, der ja der Motor der Wirtschaft ist bekommt das stark zu spüren und so schlägt sich das auf die Gesamtwirtschaft nieder.

Was meiner Meinung nach aber völlig bescheuert ist, sind sog. "Entlastungen für die Bürger". Wenn der Krankenkassenbeitrag um 0,6% sinkt, bleiben bei mir in der Tasche 0,3% hängen. Bei mir bewegt sich das bei etwas mehr über 1€ im Monat. Davon kann ich mir aber nix wirklich kaufen. Mit der alten Krankenkassenregelung hatte ich sowieso einen viel geringeren Beitrag.
pvt.gwh ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2009, 13:09   #3
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@ Kahuna: Bezüglich der Investitionen in die Konjunktur solltest Du Dir mal das Keynesianische Modell ansehen, dann wirst Du verstehen, warum auf Pump investiert wird. Dass dieses Modell überholt ist (genau wie unsere Politiker), steht auf einem anderen Blatt.

Steuergeschenke sind sehr teuer für den Staat, wenn sie sich auch kaum merklich auf den einzelnen Bürger auswirken. Aber der Staat verliert dabei eine Menge Geld.

An dieser Stelle muss ich mal kurz unterbrechen und klären, wer der Staat eigentlich ist. Betrachtet man es sich recht, sind der Staat wir. Wir pumpen also Geld in unsere Wirtschaft, wir vergeben uns selbst Kredite und mit von uns gezahlten Steuern, retten wir unsere Arbeitsplätze. Das was jedoch eigentlich mit den Steuergeldern angefangen werden sollte, fällt gänzlich unter den Tisch:

- Instrastruktur (Straßen, Städte, Brunnen,...)
- Bürgerschutz (Polizei, Justiz,...)
- Öffentlicher Dienst (Müllabfuhr, Schulen, Universitäten, Busse, Krankenhäuser...)
- ...

Für jeden der genannten Punkte gibt es tolle Beispiele, was passiert, wenn nichts passiert. Korruption bei Polizei und Justiz in Griechenland, Müllberge in Süditalien, inflationäre Abschlusszeugnisse aus Schulen und Unis, da die Leute zu dumm werden und es sonst keine Abschlüsse mehr gäbe, überhaupt heruntergekommene Schulen mit zu wenig Lehrern, wodurch der Standard weiter sinkt und die Zukunft weiter verblödet. Zu Krankenhäusern kann ich einen Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung sinngemäß wiedergeben. Hier meinte eine Krankenschwester, dass mehr Angestellte deutlich bessere Arbeitsbedingungen schaffen würden als gerade 30€ mehr Gehalt im Jahr. Eine Tankfüllung gegen einen neuen Kollegen, der einen bei der Arbeit unterstützt? Lachhaft!

Nun wissen wir was der Staat ist und wer sich verschuldet. Wir uns bzw. die alten Generationen die jüngeren, bzw. die jüngeren ihre Kinder und Kindeskinder. Ich persönlich werde nicht in Deutschland leben, arbeiten, auch nicht in Frankreich. Ich suche mir sehr genau aus wo ich wohne und arbeite, denn ich fühle mich nicht verantwortlich für das, was hier momentan geschieht. Ich bade den Scheiß nicht aus.


Generell kann man sagen, dass diese ganzen Branchen pleite gehen müssen. Sie hängen am Tropf und werden an lebensverlängernden Maschinen "auf Trab" gebracht. Die brechen früher oder später komplett ein, das ist nur eine Frage der Zeit. Unsere Politik war und ist nicht resolut genug. Wie Du schon richtig meintest, ist mal wieder das Jahr der Wahlgeschenke. Ich würde mich viel mehr über ein neues Rentensystem, eine neue Gesundheitspolitik und einen sauberen Währungsfond freuen. Schon bemerkt, dass 5 der 6 Gründungsländer der EU gegen die Maastricht-Regeln des Euro verstoßen und der Stabilitätspakt gar keine Stabilität mehr gewährleistet? Deutschland ist auf dem besten Wege seine Währung, wie die USA, mit Garantien und Schuldscheinen zu unterhöhlen. Kein gutes Gefühl. Ich glaube 1929 gab es das zum letzten mal. Mit Hyperflation wurde das Problem, auf Kosten aller derer, die sich nicht auskannten, beseitigt. Wer sich für Finanzgeschichte interessiert, sollte sich mal Japan ansehen. Da lief vieles so, wie es heute in den USA und bei uns läuft. Bergab, trotz Leitbankzins von 0 unaufhaltsam.

Was kann man also tun? Obama wird momentan angebetet, nicht ohne Grund, wenn ihr mich fragt. Auch ihm werden Hände und Füße gebunden sein (wenn er alles wahr macht was er angekündigt hat, wird man ihn vielleicht irgendwann ermorden - Kennedy lässt grüßen), ich glaube jedoch, dass das Amerikanische Volk längst auf Wechsel eingestellt ist und Obama nur die Verkörperung dieser Stimmung ist. Angenommen er investiert in erneuerbare Energien und Schulen, Universitäten, angenommen er setzt sich für bessere Beziehungen mit dem Nahen und Fernen Osten ein, dann werden Millionen an sinnvollen Arbeitsplätzen geschaffen, die nächsten Generationen werden hochgradiger ausgebildet; und Bildung ist so günstig und effektiv, das wird immer unter den Tisch gekehrt. Angenommen, die ganzen alten Lobbys werden eingeäschert und neue, zeitgemäße Lobbys entstehen. Dann wird die Autoindustrie durch die Solarindustrie ersetzt, dann werden Milliarden an verschwendeten Geldern eingespart und anderswo investiert. Einen genauen Plan kann ich nicht liefern, es gibt aber mehr Leute als nur mich, die davon überzeugt sind, dass man die alten Wirtschaftsäste endlich absägen muss. Wieso zum Teufel soll ich Kohleabbau unterstützen, wenn es nicht einmal Rendite bringt? Wieso soll ich Leute Autos bauen lassen, wenn es mich kostet und man absehen kann, dass es in 10 Jahren durch die Chinesen unmöglich sein wird, konkurrenzfähig zu bleiben?


Große Veränderungen waren immer schmerzhaft, vor allem für die einfachen Leute, die eben nichts anderes als ihren Beruf gelernt haben. Aber jeder Mensch ist flexibel und sollte hiervon gebrauch machen, oder sich die Eigenschaft aneignen. Denn langfristig gesehen ist das, was momentan politisch entschieden wird, ganz großer Unfug. Greenspan war gestern, diese Politik funktioniert schon seit Jahren nicht mehr.

@ Automobilbranche die einzige Branche, der es schlecht geht: Ich bin mir ziemlich sicher, dass noch einige Banken dran glauben werden. Wer sich mal ein bisschen eingelesen hat in das, was da gerade (übrigens seit 3 Jahren!) vor sich geht, wer sich ein bisschen informiert über neue Bilanzgesetze für die Banken, dem müsste sehr schnell sehr schlecht werden. Und mit den Banken gehen dann auch Unternehmen in die Analen ein, denen es eigentlich gut geht. Ohne Kredite ist aber nicht gut Kirschen essen.

Geändert von 35712 (22.01.2009 um 13:17 Uhr)
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Alt 22.01.2009, 14:23   #4
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Viele deiner Ausführungen sind mir natürlich klar, schliesslich studiere ich einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Und bei sehr vielen Aussagen gebe ich dir vollkommen Recht. Auf deine letzte Anmerkung möchte ich jedoch kurz eingehen:

Zitat:
@ Automobilbranche die einzige Branche, der es schlecht geht: Ich bin mir ziemlich sicher, dass noch einige Banken dran glauben werden. Wer sich mal ein bisschen eingelesen hat in das, was da gerade (übrigens seit 3 Jahren!) vor sich geht, wer sich ein bisschen informiert über neue Bilanzgesetze für die Banken, dem müsste sehr schnell sehr schlecht werden. Und mit den Banken gehen dann auch Unternehmen in die Analen ein, denen es eigentlich gut geht. Ohne Kredite ist aber nicht gut Kirschen essen.
Ich habe das Thema ja explizit zu den Konjunkturpaketen gestartet, die dazu gedacht sind, die Nachfrage und die Wirtschaft zu beleben. Für die Banken gibt's ja hierzulande den Rettungsschirm, der hier noch gar nicht berücksichtigt wurde. Wie viel Geld war es da gleich noch? >50 Mrd.? Dabei wird mir schlecht, wenn auch ich denn Sinn des Rettungsschirms verstehe und ihn gut heiße. Sonst sähe es ja noch viel schlechter aus, wenn auf dem Finanzsektor gar nichts mehr ginge. Warum mir dann schlecht wird: Naja, ganz einfach: Wenn ich ein paar Kokain-Partys gebe und dann leider privatinsolvent bin, dann kommt auch keiner her und gibt mir das Geld.

Vor dem Hintergrund der Realwirtschaft, stimmt meine Aussage im wesentlichen, dass die Automobilbranche hierzulande die einzige Branche mit wirklich großen Schwierigkeiten ist. Natürlich ist die restliche Wirtschaft dadurch insgesamt gedämpft. Dennoch ist mMn der Hauptpatient ganz klar die Automobilindustrie und alles, was da dran hängt. Und da kann die Inlandsnachfrage allein in meinen Augen gar nichts dran ändern. Darum ging es mir im Wesentlichen bei meiner Kritik.

Geändert von BigKahuna (22.01.2009 um 14:25 Uhr)
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Alt 22.01.2009, 17:11   #5
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Es sind derzeit etwa 250 Mrd. für Rettung/Konjunkturmaßnahmen verfügbar, etwa 43 Mrd. allein gingen bereits an die Hypo Real Estate, wenn ich die Zahlen aus der Tagesschau noch richtig im Kopf habe. Weitere "staatliche Beteiligungen" an den Banken, werden folgen. Für das Ankurbeln des Absatzes auf den Automärkten gibts ja jetzt die Abwrackprämie ... Eklatante Schwächen in der Struktur der Unternehmen werden immer zu Zeiten wie diesen sichtbar. Unsere Automobilindustrie ist ein Mass-Customizer, oft weit entfernt von Lean-Production-Erwägungen. Wachstumsorientiert, unflexibel, ineffizient.

Naja, alles wie immer wahlpolitisch motivierte Kurzfristaktionen mit "Ich bin sofort wieder verpufft"-Wirkung. Ich will derzeit kein Politiker sein, abgesehen davon, dass ich das sowieso nicht will. Bei dem riesen Apperat, welcher unsere Regierung bildet, durchsetzt von Eigeninteressen und Vetternwirtschaft. Da wird lieber die DB verklagt, und dort auch wieder Geld zum Fenster herausgeworfen, anstatt Probleme anzugehen. Auch wenn ich hier zuegegebenermaßen viel in einen Topf werfe, spiegelt es die Situation doch ganz gut wieder: Keiner weiß, was zu tun ist, dumm, denn die heutigen Politiker sind bei der letzten Weltwirtschaftskrise nicht dabei gewesen. Also machen sie alle ihre Vorschläge und denken an Frau und Kind zu Hause. Politiker ist keine Profession mehr, es ist Job wie jeder andere. Das es um mehr als das Hier und Jetzt geht, kapieren wohl nur die, die nichts zu sagen haben. Richtig denken ist nicht populär - damit lassen sich keine Wahlen gewinnen, es wird immer amerikanischer hier. Unser neuer Sheriff hat zwar viel vor, wird aber genauso gebremst werden, wie alle anderen auch hier bei uns. Bis sich wieder kaum was bewegt, und wenn, dann kommen Reichensteuer und Abwrackprämie dabei heraus.
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Alt 22.01.2009, 17:14   #6
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42 Mrd. Euro wurden in diese Geldverbrennungsmaschine geworfen. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Die eventuelle, dafür garantiert sehr teure Rettung eines Unternehmens wird unsere Wirtschaft nicht wieder in Schwung bringen. Es gibt sicherlich etliche andere Löcher, die man mit so viel Geld deutlich sinnvoller stopfen könnte. Aber wer weiß... der Staat wird sich schon etwas dabei denken.

@35712
Du willst in ein Land, in dem es nicht solche Machenschaften, Ungerechtigkeit und Steuerverschwendung gibt? Viel Spaß auf irgendeinem kleinen, kaum bewohnten Inselstaat, es wird einsam sein dort...
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Alt 23.01.2009, 11:55   #7
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@ Chibu: Ich wünsche mir einfach mehr Hirn, das lässt sich mit dem Bildungssektor fördern. Perfektionismus gibt es im Großen nicht, Idealismus wird auch scheitern - das ist mir klar. Aber wie kann es denn sein, dass es vernünftige Menschen gibt und solche, die keinen blassen Schimmer von nichts haben?


@ Big Kahuna: Bist Du wirklich der Meinung, dass es der Bankenbranche gut geht, weil sie einen Rettungsschirm haben? Es sind schon einige Banken pleite gegangen und wurden von anderen aufgekauft. Glaubst Du, dass das Einzelfälle waren? Wenn Banken wie die UBS, HSPC (hieß die glaube ich), die Commerzbank, 4 der 5 großen Investmentbanken an der Wall Street,... alle ins Gras beißen, ist da mehr im Busch. Man sieht nur nichts davon, weil die Bankengeschäfte alle so undurchsichtig sind. Jede Bank hat Pakete bei sich liegen, von denen sie nicht weiß was sie wert sind. Das müssen nur ein paar sein die faul sind und dann war's das. Einige Pakete gibt es noch, die in den Ecken der Banken liegen. Ich glaube ernsthaft, dass wir nicht die letzte Pleite dieser "Krise" gesehen haben.

Was die Realwirtschaft anbelangt, gebe ich Dir in einem Punkt recht: Man sieht es bei den Automobilherstellern + Konsorten. Wer aber zahlt denn die Steuern? Ich habe mal gelesen, dass keines der 30 größten Unternehmen in Deutschland (DAX) Steuern zahlt, sondern unterstützt wird - natürlich mit Steuergeldern. Der Mittelstand zahlt die meisten Steuern und der bricht schon seit ca. 10 Jahren weg. Jetzt läuft das ganze etwas schneller. Wie lange, das ist die Frage. Auch das wird sich langfristig und vor allem in den nächsten Jahren auswirken. Nicht ohne Grund stehen mehr und mehr Geschäftsräume in deutschen Innenstädten leer. Das kann ich in jeder Stadt beobachten, die ich kenne. In der Schweiz geht das übrigens auch schon los, wobei es dort noch deutlich angenehmer ist zur Zeit.

Wie gesagt, das ist alles Teil eines großen Wechsels, der sich Stück für Stück vollziehen muss und wird.


@ dracoon: Ich wäre gerne Politiker, aber nicht auf dieser Welt. Es herrscht zu viel Korruption und Faulheit, zu viel Dummheit und Egoismus unter den Politikern. Was Hussein in den USA wird ausrichten können, bleibt abzuwarten. Ich persönlich glaube, dass es der Anfang einer großen Veränderung wird. Nicht weil er es möchte, sondern weil das Volk es möchte. So dumm die Leute sein mögen, so viel verstehen sie anscheinend doch.

Geändert von 35712 (23.01.2009 um 12:00 Uhr)
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Alt 23.01.2009, 12:23   #8
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Zitat:
Zitat von 35712 Beitrag anzeigen
@ Big Kahuna: Bist Du wirklich der Meinung, dass es der Bankenbranche gut geht, weil sie einen Rettungsschirm haben? Es sind schon einige Banken pleite gegangen und wurden von anderen aufgekauft. Glaubst Du, dass das Einzelfälle waren? Wenn Banken wie die UBS, HSPC (hieß die glaube ich), die Commerzbank, 4 der 5 großen Investmentbanken an der Wall Street,... alle ins Gras beißen, ist da mehr im Busch. Man sieht nur nichts davon, weil die Bankengeschäfte alle so undurchsichtig sind. Jede Bank hat Pakete bei sich liegen, von denen sie nicht weiß was sie wert sind. Das müssen nur ein paar sein die faul sind und dann war's das. Einige Pakete gibt es noch, die in den Ecken der Banken liegen. Ich glaube ernsthaft, dass wir nicht die letzte Pleite dieser "Krise" gesehen haben.
Nein, da hast du mich falsch verstanden. Ich sagte nur, dass dieser Thread sich um die Konjunkturpakete dreht. Konjunkturpakete -> Realwirtschaft != Rettungsfonds -> Finanzwirtschaft. Klar geht es den Banken schlecht und es wird Geld rein gepumpt, aber das wollte ich in dem Thread ursprünglich nicht thematisieren. Das meinte ich damit.

Aber wo wir schon dabei sind: Ich hätte es nie gedacht, aber gestern hat Lafontaine im Bundestag mal ein wahres Wort gesagt. Er fragte, wo denn bitte die Regulierungsmaßnahmen für den Finanzsektor wären, um sowas in Zukunft zu verhindern. Recht hat er: Es werden täglich neue Millionen in die Banken gepumpt, aber ein Gesetz, das verhindert, dass mit dem Geld gleich wieder Roulette gespielt wird, ist nicht in Sicht. Glückwunsch, große Koalition...
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Alt 23.01.2009, 12:39   #9
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Ich habe noch nicht begriffen, wieso die Commerzbank mit Steuermilliarden unterstützt wird und direkt ne Woche später die Dresdner Bank aufkauft.

Ich meine das die Politik und Wirtschaft korrupt ist und Geld eben die Macht hat, das ist ja schon seit sehr sehr langer Zeit so. Nur die Finanzspritzen und das scheinbar so tolle Konjunkturpaket sind doch Lügen und Verbrechen, die direkt in aller Öffentlichkeit präsentiert werden. Nur was passiert? 90% der Wahlberechtigten lassen es sich als große Tat für das Volk und die deutsche Wirtschaft verkaufen und wählen bei der Bundestagswahl wieder den selben Mist, wie seit Jahren. Vermutlich sinkt die Wahlbeteiligung sogar noch auf ein Rekordminus, weil der Durchschnittsdeutsche meint, eh nichts ändern zu können und keine Wahlalternative sieht.
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Alt 23.01.2009, 17:23   #10
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Hier ein Beispiel, wo sicher keine Milliarden benötigt würden, um den Geschäftsbetrieb wieder in die richtigen Bahnen zu bringen: Qimonda stellt heute Insolvenzantrag. Als Ursache werden die stark gefallenen Preise für DRAM sowie die durch die Finanzkrise erheblich erschwerte Kapitalbesorgung genannt. Betroffen sind rund 4.600 Angestellte. Der Vorstand sieht der Sache positiv entgegen, aber hey, was sollen sie sagen...

Wenn es dumm läuft, wird Infineon gleich noch hinterher gerissen, immerhin halten sie rund 77 Prozent der Anteile, was zu weiteren deutlichen Belastungen des Geschäfts führen dürfte.
Chibu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.01.2009, 19:46   #11
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Die Abwrackprämie greift offenbar. Ändert langfristig jedoch rein gar nichts an den Problemen ... Ohne weitere Flexibilisierung und Streben nach 0-Fehler-Produktion nach Beispielen der Japaner (was alles andere als einfach umzusetzen ist, da mit immensen Kosten verbunden), wird auch diese Wirkung schnell verpuffen. Ich harre "gespannt" der Dinge, die da noch folgen mögen.
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Alt 23.01.2009, 19:51   #12
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Insolvenzantrag ist gleichbedeutend mit der Abspeisung aller Schuldner. Nicht die feine englische Art, andere werden es zu spüren bekommen.

Auch wenn wir nicht direkt über die Banken sprechen, so habe ich gerade erneut Pleitegeier über einer Landesbank fliegen sehen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,603141,00.html

Die Bayern-LB scheint statt der vermuteten 3 Milliarden Euro nun doch 5 Milliarden als operatives Minus im Jahr 2008 erwirtschaftet zu haben. Sie benötigen Garantien in Höhe von 31 Milliarden Euro, die allesamt vom Land Bayern und dem Bund gestellt werden. Wie gesagt, da brodelts gewaltig.
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Alt 04.02.2009, 13:41   #13
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Gestern Abend kam übrigens eine wie ich finde geniale Quarks & Co. Sendung zu dem Thema. Sehr anschaulich wurde erklärt, wie es dazu kam, was jetzt passiert, und wie es vielleicht weiter geht. Eine absolute Empfehlung für jeden, der sich für das Thema auch nur ansatzweise interessiert.

Wiederholung ist Samstag, 07.02.09 um 10.20 - 11.05 Uhr

Die Sendung gibt es hier auch zum Download:

http://medien.wdr.de/download/123369...o_20090203.mp4
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Alt 08.02.2009, 17:20   #14
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Konjunkturpaket hin oder her, es ist einfach wahnsinnig schwierig für nahezu jedermann. Ein Bekannter von mir wollte sich als Franchisenehmer versuchen aber finde mal ne Firma die dafür in Frage kommt und nicht gerade in Problemen steckt.
__________________
Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt. - Francois Truffaut
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Alt 08.02.2009, 21:02   #15
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Wie wärs mit McDonalds oder BurgerKing? Die meisten dieser Restaurants sind Franchiseunternehmen
__________________
„You know who's going to inherit the world? Arms dealers. Because everyone else is too busy killing each other.“
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Alt 28.02.2009, 21:29   #16
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@ Quarks und Co Video: Wahrscheinlich der beste Beitrag zu dem Thema, den ich bislang gesehen habe. Es wird alles gut erklärt, man wird aber nicht abgespeist oder für dumm verkauft.
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