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Taliban-Anschlag in Afghanistan

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Alt 19.05.2007, 23:53   #1
Zonnie
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Beiträge: n/a
Standard Taliban-Anschlag in Afghanistan

Hi,

da mein Bruder als Soldat momentan in Afghanistan ist und ich heute morgen die Nachricht zuerst im Radio gehört habe, wollte ich das Thema einfach mal ansprechen.

Zum Glück ist mein Bruder in Mazar-e-Sharif, aber wenn man auf die Landkarte schaut, ist das nicht sehr weit von Kundus entfernt. Schon vorher hat man sich als Familienmitglied Sorgen gemacht, dass etwas passieren kann, aber nun, wo Deutschland und damit auch mich diese Nachricht erreicht hat, mach ich mir noch mehr Sorgen und hoffe dass er im Juli unversehrt nach Hause kommt.

Hier ist übrigens noch ein Bericht, den ich grade gelesen habe

http://de.news.yahoo.com/19052007/12...ht-kapisa.html
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Alt 20.05.2007, 08:20   #2
EffizienzGuru
Admin in Rente
 
Benutzerbild von Chibu
 
Registriert seit: 10.2006
Beiträge: 6.239
Standard

Ja, viele Menschen wollen es nicht wahr haben, aber: Deutschland befindet sich quasi aktiv im Krieg. Bislang ist das nur nicht so ans Tageslicht gekommen, da die Informationspolitik (gewollt) recht spärlich ist und wir bisher von größeren Vorfällen verschont waren.

Das größte Problem ist, dass man als Soldat nicht viel machen kann. Man kämpft quasi gegen einen unsichtbaren Feind. Jeder Marktbesucher ist ein potentieller Selbstmordattentäter. Vielen Soldaten steht die Angst nun noch mehr ins Gesicht geschrieben, vielen wird nun klar, was es eigentlich heißt, Soldat zu sein.

Drehen wir die Uhr jedoch mal einige Jahre zurück... Viele junge Männer, mittlerweile ja auch Frauen, haben sich mit ihrem Gelöbde dem Staat zu dienen verpflichtet. Bei einem Großteil davon behaupte ich zu sagen (und es ist auch so), dass es rein aus finanziellen Aspekten geschah. Ob nun SAZ4, 8, 12 oder gar Berufssoldat, während dieser Zeit, auch eine gewisse Zeit danach, hat man einfach ein sehr gutes Einkommen und ist sozial abgesichert. Dies ist für viele junge Männer Grund genug, sich für den Dienst an der Waffe zu verpflichten, ohne groß darüber nachzudenken, welche Folgen es haben kann. Mittlerweile sieht es auch ein wenig anders aus: Deutschland ist mit seinem Militär nahezu auf der ganzen Welt vertreten. Ob Kosovo, Afghanistan, Libanon oder Kongo, wir sind überall dabei. Zu Beginn ist es wie ein Action-Adventure, schnell jedoch zeigt so eine Verlegung in Kriegsgebiet sein wahres Gesicht. Ich habe während meines Grundwehrdienstes viele Soldaten zu den Abflughäfen gefahren und sie nach ihrem Dienst in solchen Gebieten auch wieder abgeholt. Ein Großteil von ihnen hat sich in dieser Zeit stark verändert. Es prägt den Menschen, wenn man Leid und Tod sieht.
Stellt sich die Frage: Warum tut sich das Deutschland an? Oftmals hört man Sachen wie: Wir sind Mitglied der NATO, diese Staaten müssen zusammenhalten. NATO? Laut Definition ist es ein Defensivbündnis ohne automatische militärische Beistandspflicht der Mitglieder mit Verpflichtung zur friedlichen Konfliktbeilegung. Es heißt weiterhin, dass sich die Mitglieder verpflichten, im Falle eines Angriffes auf einen Bündnispartner kollektiv in Selbstverteidigung zu gehen. Nun... klar, der Ami reitet mit großem Tamtam in alle möglichen Krisenherde der Welt, wird natürlich in den selbigen angegriffen. Ja, wir wollen auf dem internationalen Parkett der Großen nicht der Spielverderber und Buhmann sein. Ist es deshalb unsere Pflicht, den Anderen hinterher zu rennen und uns dann dort über den Haufen schießen zu lassen? Verpassen wir etwas, wenn wir zu Hause bleiben? Nun, wir würden in die Missgunst von George W. "AJ-ActionJackson" Bush fallen. Machen wir uns abhängig, sind wir es gar bereits? Oder sind wir immer noch in der Position, etwas wieder gut machen zu müssen, was 60-80 Jahre zurückliegt? Viele Fragen... wer hat Antworten?

Zurück zum eigentlichen Thema: Ich hoffe natürlich inständig, dass dein Bruder die letzten zwei Monate noch unversehrt übersteht und du ihn anschließend wieder in deinen Armen halten kannst.

Geändert von Chibu (20.05.2007 um 08:37 Uhr)
Chibu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.05.2007, 23:04   #3
Zonnie
Gast
 
Beiträge: n/a
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Also als Familienmitglied kann ich nur sagen, dass die Männer und Frauen, die sich in diese Gebiete begeben, sehr verändern... Ich merke wie mein Bruder sehr viel nachdenklicher geworden ist, seit seinem ersten Einsatz... Mit jedem Einsatz wird die Veränderung deutlicher...

Zitat:
Viele Fragen... wer hat Antworten?
Ich glaube Antworten auf diese Fragen wird man niemals finden
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Alt 31.05.2007, 13:49   #4
Profi
 
Benutzerbild von KRambo
 
Registriert seit: 10.2006
Ort: Österreich
Beiträge: 296
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Da kann ich nur zustimmen, ich war selber ein halbes Jahr im Auslandseinsatz, allerdings für Österreich. Ich war in Suva Reka im Kosovo (Ex-Jugoslavien) stationiert, einen Monat lang auch in einem amerikanischen Camp in der Nähe von Mitrovica.

Hab auch selber gemerkt wie ich mich verändere. Was sehr auffällig am Anfang is wenn man zurückkommt: man traut sich nicht mehr in die Wiese zu gehen weil da ja Minen sein könnten klingt blöd is aber so. Da unten wird einem ja regelrecht eingetrichtert auf Minen aufzupassen und ja nie abseits von Straßen zu laufen. War anfangs ziemlich schockiert über die Verhältnisse da, mit der Zeit gewöhnt man sich aber dran. Spätestens nach 2 Monaten denkt man gar nicht mehr darüber nach, dann ist es "normal" geworden.

Was mir da am besten gefallen hat: die Zusammenarbeit der verschiedenen Armeen, seien es Italiener, Deutsche, Amerikaner, Schweden und was da unten sonst noch alles rumläuft. Hab in der Zeit sehr nette Leute kennen- und schätzen gelernt (auch Amerikaner).
KRambo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.07.2007, 23:56   #5
Zonnie
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Glücklicherweise ist mein Bruder vorletzte Woche heil wieder zuhause angekommen
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Alt 29.07.2007, 07:39   #6
EffizienzGuru
Admin in Rente
 
Benutzerbild von Chibu
 
Registriert seit: 10.2006
Beiträge: 6.239
Standard

Zitat:
Zitat von Zonnie Beitrag anzeigen
Glücklicherweise ist mein Bruder vorletzte Woche heil wieder zuhause angekommen
Also ist alles im grünen Bereich...

Vielleicht kann er mal ein paar Eindrücke schildern?
Was man in den Medien zu hören und sehen bekommt, ist ja oftmals nur die halbe Wahrheit.
Chibu ist offline   Mit Zitat antworten
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